Spiritualität in der Psychotherapie
Achtsamkeit | Selbstmitgefühl | Meditation | Yoga | Einheit | Rückverbindung
Spiritualität kann als die menschliche Fähigkeit verstanden werden, Sinn, Zugehörigkeit und Verbundenheit zu erfahren – mit sich selbst, mit anderen und mit der lebendigen Welt oder einem grösseren Ganzen. In der Psychotherapie kann diese Dimension – sofern gewünscht – eine wertvolle Ressource darstellen.
Aktuelle Forschung zeigt, dass Spiritualität und Religiosität mit Resilienz, besserer Stressbewältigung und höherem psychischem Wohlbefinden assoziiert sind (Koenig, 2012; Captari et al., 2018). Gleichzeitig belegt die Umwelt- und Gesundheitspsychologie, dass Naturverbundenheit messbar zur emotionalen Stabilisierung, Stressreduktion und Förderung von Lebenszufriedenheit beiträgt (Bratman et al., 2015; Pritchard et al., 2020).
In meiner Arbeit wird Spiritualität nicht als Glaubenssystem verstanden, sondern als Beziehungserfahrung: als bewusste Rückverbindung mit dem eigenen Inneren, mit Mitmenschen und mit der natürlichen Mitwelt. Psychische Gesundheit entsteht nicht im isolierten Individuum, sondern im Erleben von Eingebundensein – ökologisch, sozial und existenziell.
Naturerfahrungen können regulierend auf das Nervensystem wirken, das Gefühl von Erdung stärken und innere Kohärenz fördern. Viele Menschen berichten in der Begegnung mit Wald, Bergen, Wasser oder Tieren von einem vertieften Erleben von Weite, Klarheit und Sinn. Diese Erfahrungen können im therapeutischen Prozess reflektiert, integriert und als Ressource nutzbar gemacht werden.
Die ökopsychologische Perspektive geht davon aus, dass die Entfremdung von der Natur auch psychische Auswirkungen haben kann und dass bewusste Naturverbundenheit Heilungsprozesse unterstützen kann (Roszak, 1992; Fisher, 2013). In diesem Sinne wird die Beziehung zur Erde nicht romantisiert, sondern als realer Bestandteil menschlicher Identität verstanden.
Existenzielle Fragen nach Sinn, Übergängen, Identität, Verbundenheit oder Endlichkeit dürfen Raum erhalten. Spirituelle Erfahrungen werden differenziert begleitet und klar von psychischen Belastungsreaktionen abgegrenzt. Spiritualität wird so zu einer Brücke – zwischen innerem Erleben und äußerer Welt, zwischen individueller Entwicklung und verantwortlicher Beziehung zur Lebenswelt.
Psychische Gesundheit bedeutet in diesem Verständnis nicht nur Symptomfreiheit, sondern auch eine lebendige Verbindung zu sich selbst, zu anderen Menschen und zum größeren Netz des Lebens.
Wissenschaftliche Grundlagen (Auswahl)
Koenig, H. G. (2012). Religion, Spirituality, and Health: The Research and Clinical Implications. ISRN Psychiatry.
Captari, L. E., et al. (2018). Integrating clients’ religion and spirituality within psychotherapy: A meta-analysis. Journal of Clinical Psychology, 74(11), 1938–1951.
Bratman, G. N., Hamilton, J. P., & Daily, G. C. (2015). The impacts of nature experience on human cognitive function and mental health. Annals of the New York Academy of Sciences.
Pritchard, A., Richardson, M., Sheffield, D., & McEwan, K. (2020). The relationship between nature connectedness and eudaimonic well-being. Journal of Happiness Studies.
